Google+: Was es ist und was es werden könnte

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Myspace, Studivz, Wer kennt Wen – viel gesprochen wird nicht mehr über die einstigen Facebook Konkurrenten und Klone. Seit Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk auch weltweit seinen Siegeszug angetreten hat, scheint kaum mehr Raum für eine zweite Plattform ähnlicher Art zu bestehen. Und während Facebook einen großen Börsengang hinlegt und schon bald an der “Eine-Milliarde-Nutzer-Marke” kratzen wird, sinken Seitenaufrufe und Userzahlen bei der Konkurrenz rapide.

Komplett sollte man die Facebook-Konkurrenz allerdings noch lange nicht abschreiben. Schließlich gibt es da immer noch Google+, das soziale Netzwerk des Suchmaschinenunternehmens Google, welches den Kampf um Userzahlen und Seitenaufrufe noch lange nicht aufgegeben hat. Zugegeben: schaut man sich in seinem Freundeskreis um, scheint aktuell noch kaum jemand regelmäßig bei Googles Facebook Alternative vorbei zu schauen. Warum sich dies allerdings in Zukunft durchaus ändern könnte, darüber wollen wir heute in einem kleinen Übersichtsartikel spekulieren. Wie es aktuell um Google+ steht, welches Features es vom großen Konkurrenten Facebook unterscheidet und was die Zukunft für Googles soziales Netzwerk bringen könnte, erfahrt Ihr in den folgenden Zeilen.

Google+: Netzwerk der Geeks?

Gerade einmal knapp 1 Jahr ist Google+ nun alt und hat für seine kurze Existenzdauer schon durchaus beeindruckende Zahlen vorzuweisen. Obwohl es am 28. Juni 2011 erst einmal nur in einer Art Testphase startete, in der eine Einladung nötig war, um dem Netzwerk beizutreten, galt es mit 20 Millionen Unique Usern innerhalb der ersten drei Wochen als schnellst wachsendes soziales Netzwerk aller Zeiten. Seit dem 20. September 2011 ist Google+ für jeden über 18 Jahre zugänglich und so zählt das soziale Netzwerk mittlerweile ca. 170 Millionen registrierte Nutzer (Stand: April 2012). Auch in Deutschland konnte sich der neue Facebook Konkurrent schnell etablieren, wie die unten stehende Grafik der Gesellschaft für Konsumforschung vom Dezember 2011 zeigt.

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Was die reinen Nutzerzahlen angeht hat Google+ also bereits einen erheblichen Schritt getan, um sich auf die Jagd nach der Krone im Social Netzwork Business zu machen. Allerdings dürfen diese Daten auch nicht überbewertet werden, ist Google+, was die Aufenthaltsdauer der User auf der Website angeht, doch noch meilenweit von den überragenden Facebookwerten entfernt. Nach einem Bericht von pcmag.com von Ende Februar 2012 verbringen Google+ User im Durchschnitt gerade einmal 3-4 Minuten pro Monat auf der Seite des sozialen Netzwerks. Der Facebook Wert liegt dagegen bei 6-7 Stunden, die jeder User im Durchschnitt pro Monat auf der Seite verbringt. Google+ liegt damit nicht nur weit hinter seinem Hauptkonkurrenten zurück, sondern muss sich in diesem Bereich auch anderen Netzwerken wir Twitter, linked, MySpace und sogar Pinterest geschlagen geben.

Die Nutzerzahlen stimmen also, aber noch scheint die große Masse der registrierten User kaum Zeit auf Googles Facebook Alternative zu verbringen. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich Google+ seit seinem Start sehr schnell einen Namen als “Netzwerk der Geeks” gemacht hat. Viele der so genannten “early adopters”, diejenigen die also sehr früh auf den Google+ Zug aufgesprungen sind, waren zu einem großen Teil sehr technikversierte User. Während es sich Millionen von Internetnutzern bereits bei der Konkurrenz von Facebook mit ihrem digitalen Profil gemütlich gemacht haben und keinen Grund sehen (oder einfach keine Lust haben), eine zweite digitale Identität aufzubauen, sind es vornehmlich Entwickler, SEO Berater, Fotografen und Social Media Fantiker, die sich regelmäßig bei Google+ einloggen. Dass sich gerade technikaffine Menschen gerne auf der Google+ Oberfläche herumtreiben, verwundert wenig, betrachtet man die wichtigsten Features, die das soziale Netzwerk vom Hauptkonkurrent Facebook unterscheiden.

Von Circles, Sparks, Hashtags und Hangouts

Dass Google+ mit seinen hervorragenden Fotofeatures zahlreiche Hobbyfotografen auf ihre Plattform gelockt hat, darüber haben wir bereits in einem älteren Blogpost berichtet. Hier betreibt Facebook aktuell bereits intensive Schadensbegrenzung, veröffentlichte man doch erst kürzlich die neue Foto-App Facebook Camera und optimierte außerdem das Newsfeed Design durch deutlich größere Bilddarstellungen. Doch was innovative Optionen im Bereich der sozialen Netzwerke angeht, hat Google+ noch eine Reihe weiterer Features zu bieten, die zukünftig durchaus zu einem größeren Erfolg des Netzwerks beitragen könnten.

Die Philosophie von Google+ stand von Beginn im Zeichen des Kreises (die Plattform sollte ursprünglich sogar einmal den Namen “Google Circles” tragen). Die so genannten Circles bieten den Nutzern die Möglichkeit, ihre Freunde in verschiedene Kategorien einzuordnen. Zwar ist dies bei Facebook ebenso möglich, doch das intuitive Drag and Drop Modell lässt diese Zuordnungsfeature bei Google+ im Gegensatz zu Facebook deutlich in den Vordergrund treten. Hinzu kommt, dass nicht nur Freunde sondern auch Interessen, wie Fernsehsendungen, Stars, Aktivitäten etc. einzelnen Circles zugeordnet werden können und sich somit gleichzeitig durch die Auswahl des jeweiligen Themengebiets der Newsfeed mit einem Klick anpassen lässt.

In Kombination mit den von ursprünglich von Twitter bekannten Hashtags, der Google+ internen Suche, sowie der Möglichkeit bestimmte Suchbegriffe zu abonnieren (Sparks), lässt sich der Newsfeed des sozialen Netzwerks so individuell anpassen, wie in keinem anderen vergleichbaren Portal. Den Google+ Entwicklern ist es gelungen von Facebook bekannte Features, wie das Teilen von Interessen, mit von Twitter bekannten Möglichkeiten, wie der Twitterwall, zu verbinden. So lassen sich fortlaufend Newsmeldungen aus bestimmten Gebieten anzeigen und Hashtags können genutzt werden, um mit noch mehr Leuten zu einem bestimmten Thema in Kontakt zu treten. Gerade der Hashtag Support stellt einen deutlichen Vorteil gegenüber Facebook dar, welches seinerseits auf eine enge Zusammenarbeit mit Twitter setzt, anstatt eigene Features zu entwickeln, die sich am beliebten Kurznachrichtendienst orientieren.

http://www.youtube.com/watch?v=beFP0REw3DM

Als absolute Killerapplikation promotet Google+ momentan allerdings die so genannten Hangouts, ein Videofeature welches tatsächlich das Potenzial besitzt, die Dynamik innerhalb großer sozialer Netzwerke deutlich zu verändern. Zum einen bietet die Hangout Option die Möglichkeit, sich mit bis zu 9 weiteren Personen spontan zu einem Videochat zu treffen.



Die wirklich große Innovation wurde allerdings erst im vergangenen Mai für alle Google+ User zugänglich. Mit Hilfe der Hangouts On Air lassen sich Videoübertragungen nun ankündigen und Live streamen. Durch dieses Feature wird quasi jeder Google+ User zu einem potenziellen Fernehproduzenten und einige begeisterte User sprechen bereits von einer Revolution des bekannten Fernseh-Übertragungs-Systems. Tatsächlich bietet Google+ Hangouts On Air eine Videoerfahrung, wie sie weder Facebook noch irgend ein anderes soziales Netzwerk aktuell zu bieten hat.

http://www.youtube.com/watch?v=3pmSWh2BQco

Wie Google+ Facebook noch schlagen kann

Google+ bietet also eine Reihe zahlreicher innovativer Features und Optionen, die besonders bei technikaffinen Usern für Begeisterung sorgen, hat es allerdings bis jetzt verpasst Otto Normalverbrauchern einen zwingenden Grund zu geben, sich von ihrer bisherigen Heimat Facebook wegzubewegen, wo sie sich dich so komfortabel eingerichtet haben. Wie Mark Sullivan vom englischen PC Magazin PC Advisor in einem äußerst interessanten Artikel anmerkt, hat Google seinen größten Vorteil gegenüber Facebook noch gar nicht ausgespielt. Zwar ist Google+ bereits in der Navigationsleiste beinahe aller anderen Webservices der Firma integriert, wodurch der User stets mit dem sozialen Netzwerk verbunden ist, auch wenn er gerade auf Youtube, Gmail, Google Docs, Picsa (alle Teile von Google Inc.) etc. unterwegs ist, aber von einer kompletten Integration von Google+ in die komplette Google Welt, sind deren Entwickler noch einen deutlichen Schritt entfernt.

Dabei muss genau jene Integration von Google+ in alle anderen Webangbote das Ziel der Firma sein, um den großen Konkurrenten Facebook in Gefahr zu bringen. Hangouts auf der Gmail Seite starten ist aktuell genauso wenig möglich, wie Email Eingangsbenachrichtigungen direkt auf Google+ zu bekommen. Hier hat Google noch einiges an Arbeit vor sich. Sollte es den Google Entwicklern allerdings irgendwann gelingen, aus ihrem vielseitigen Webangeboten ein tadellos funktionierendes Netzwerk zu konzipieren, könnte dies durchaus dazu führen, dass Facebook für einige Nutzer überflüssig wird und sie sich permanent in der Google Welt einrichten. Entschieden ist das Rennen um die Krone im Social Network Business zumindest noch lange nicht.

 

 

Quellen:
www.ishpc.de/2012/02/02/neue-daten-zur-google-nutzung-in-in-deutschland/ (+ GFK Infografik)
www.siliconbeachtraining.co.uk/blog/evolution-of-google-plus/
googleblog.blogspot.de/2012/04/toward-simpler-more-beautiful-google.html
googleblog.blogspot.de/2012/05/google-hangouts-on-air-broadcast-your.html
www.golem.de/news/soziales-netzwerk-google-mit-neuem-design-und-170-millionen-nutzern-1204-91090.html
www.pcmag.com/article2/0,2817,2400895,00.asp
www.lostremote.com/2012/01/11/how-google-hangouts-will-transform-traditional-tv-broadcasting/

http://www.pcadvisor.co.uk/news/internet/3364080/why-google-can-still-beat-facebook/?cmpid=HTML-DN140612&olo=daily%20news

 

 

Über den Autor: Thomas Zimmer ist 28 Jahre alt und lebt in Berlin. Seit dem Abschluss seines Studiums im Fach Filmwissenschaft an der FU Berlin schlägt er sich als Filmkritiker und Blogger durch das Web 2.0. Zur Zeit arbeitet er als freier Autor bei den iConsultants.

1 Kommentare

  1. Google+ hat in den letzten Monaten schon einiges erreicht und bestimmt auch einige Nutzer von Facebook an sich gezogen. Jetzt wird die Zeit zeigen, ob dies eine Sache ist, die auch auf Dauer genutzt wird und ob Google+ an Facebook vorbei ziehen wird. Ich jedenfalls bin sehr gespannt, wie sich das alles noch entwickelt.

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