Soziale Netzwerke: »Early Adopter« und die »Late Majority«

Social Media E-Mail Diffusion of Innovations

Nach Everett Rogers folgt die Einführung neuer Technologien oder Produkte einer statistischen Normalverteilung (Diffusion of Innovations). Rogers ordnete dem Kurvenverlauf bestimmte Per­sön­lichkeits­typen bzw. bestimmte Nutzer­typen zu: Am Beginn adaptieren demnach die besonders innovationsfreudigen Menschen, die sog. Inno­vatoren (Innovators) und Früheinsteiger (Early Adopter) die neuen Technologien. Ihre Anteile betragen im Modell 2,5% bzw. 13,5% der poten­ziellen Nutzer dieser Technologien. Diffusions­studien in diversen Technologiemärkten haben indessen gezeigt, dass der Early Adopter-Anteil oft sehr viel geringer ist (<5%). Es folgt die Frühe (Early Majority) und Späte Mehrheit (Late Majority), also die Masse der Nutzer, mit zusammen 68% und schließlich die Nachzügler (Laggards) mit 16% am Ende des Zyklus. Später hat Geoffrey Moore eine Erweiterung des Modells vorgeschlagen (Crossing the Chasm). Nach Moore ist der Übergang zwischen den ersten beiden Nutzergruppen (Innovatoren und Früheinsteiger) und der Frühen und Späten Mehrheit diskontinuierlich. Zwischen diesen besteht eine Lücke oder Kluft , die überwunden werden muss.

Lebenszyklus von Social Networking Sites

Vincenzo Cosenza, bekannt auch durch seine World Map of Social Networks, hat einen Artikel über »Social Networks Adoption Lifecycle« veröffentlicht. Er versucht, dieses Modell auf die Verbreitung der Anwendung Social Networking Sites (SNS) zu übertragen. Dabei hat er den Prozentsatz der Durchdringung auf das strategische Ziel von Facebook, nämlich 1 Milliarde Nutzer, bezogen.

Social Networks Adoption Lifecycle

Facebook wartet auf die Nachzügler, Google+ auf die Masse

Betrachten wir einige Social Networks etwas genauer:

  • Facebook hätte demnach mit rund 750.000.000 Nutzern eine Durchdringung von 75% erreicht und könnte somit noch auf die Nachzügler hoffen.
  • LinkedIn mit 100.000.000 Nutzern wäre bei der Mehrheit der Nutzer noch gar nicht angekommen.
  • Auf Google+ (25.000.000) trieben sich bisher nur die Nerds herum, hätte aber aufgrund des raschen Wachstums gute Chanchen in Kürze neben den Innovatoren auch die Early Adopters zu erreichen.
  • Twitter hätte es mit 200.000.000 Nutzern geschafft, die kritische Lücke (Chasm) zu überwinden.
  • FriendFeed hatte genug Zeit, um die Lücke zu überqueren, hat es aber nicht getan. Somit besteht wenig Hoffnung, dass FriendFeed den Massenmarkt erreicht.
  • MySpace hatte die Lücke bereits übersprungen, kämpft nach dem dramatischen Rückgang der Nutzerzahlen jetzt um einen Platz in der Nische.

Der ‘Fall’ MySpace zeigt die Anfälligkeit des Modells: Hat ein Netzwerk eine bestimmte Phase des Lebenszyklus erreicht, so löst das keinen Automatismus aus. Wirft, wie jetzt Google+, ein neuer Mitspieler seinen Hut in den Ring, kann es durchaus sein, dass es im Lebenszyklus zu einer ‘Verjüngung’ kommt.

 

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