Sind wir die Sharecropper des Digitalen Zeitalters?

Die Sharecropper des Digitalen Zeitalters Corporate Website

Bis ins letzte Jahrhundert war vor allem im Süden der USA ein Modell der land­wirt­schaft­lichen Pro­duk­tion weit verbreitet, bei dem ein Land­besitzer einem Pächter oder »Sharecropper« erlaubt, ein Stück Land zu bewirt­schaf­ten und im Gegen­zug einen Anteil der Ernte erhält, die von dem Share­cropper auf dem Stück Land erwirt­schaftet wurde. Der Pächter erhielt kein Geld, sondern Naturalien.

Sharecropping breitete sich nach dem ame­rika­nischen Bürgerkrieg aus und ersetzte die Sklaverei durch eine Art neuen Feudalismus.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ich hatte diesen Begriff vor gut 1 1/2 Jahren schon einmal als Analogie benutzt, um aufzuzeigen, «warum die Corporate Website un­ver­zicht­bar ist». Die Diskussion ist seitdem nicht so recht vom Fleck gekommen, die Auseinandersetzung um das «Für und Wider» der Corporate Website / des Blog hält un­ver­min­dert an. Aus Sicht der die sozialen Networks nutzenden Unter­nehmen stellt sich die Lage eher verschärft dar. Ich schrieb damals:

Immer mehr kleine und große Unternehmen legen den Schwerpunkt ihres Marketings auf Plattformen wie Facebook. […] Um im Bild des »Sharecropping« zu bleiben: Sie produzieren (Inhalte) auf dem Land anderer und geben dafür einen Teil ihrer Produktion (Daten & Inhalte) an den Landbesitzer ab.

Es ist seit langem nicht mehr nur Facebook, das eine dominante Rolle bei sozialen Plattformen spielt. Der eCommerce nutzt Unternehmen wie Amazon und ebay, die ihren Umsatz kontinuierlich steigern konnten. Pinterest wird für Unternehmen, die mit Visualisierungen auf ihre Produkte aufmerksam machen können, immer interessanter. Google+ scheint sich als Diskussions-Plattform zu etablieren. Sharing-Dienste wie StumbleUpon und Tumblr kommen mächtig auf.

Nun spricht ja generell nichts dagegen und es ist durchaus sinnvoll, als Teil Ihrer Strategie auf diesen Plattformen aktiv zu sein. Wenn Ihre Kunden und potenziellen Kunden dort unterwegs sind, wäre es geradezu fahrlässig, diese Plattformen nicht zu nutzen. Sollten Sie deshalb aber auch B.L. Ochman vom What’s Next? Blog folgen?

The corporate site is dead. Time to take them down!.

Ich meine nein, auf keinen Fall. Sie müssen immer daran denken, dass Sie bei allen sozialen Plattformen, die als Alternative gehandelt werden, auf “Pachtland” sind. Nur an einer von Ihnen (oder Ihrem Dienstleister) gemanagten Website haben Sie weitgehende “Ei­gen­tums­rechte”. Ihre Online-Strategie sollte also unbedingt einen Weg beschreiben, den Sie dann gehen können, sollten Sie einmal — aus welchen Gründen auch immer — von Ihrem “Pachtland” vertrieben werden oder auch freiwillig gehen. Wer spricht heute noch vom hoch gehandelten Second Life?

Es ist, wie es Matthew Grant auf MarketingProfs beschreibt:

Die Beziehung zwischen Ihrem Unternehmen und diesen Giganten wird immer asymmetrisch sein wie die Beziehung zwischen dem Sharecropper und dem Grundstückseigentümer. Auch wenn es Ihnen zugute kommt: die Giganten haben Ihnen gegenüber keinerlei Verpflichtungen.

 

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Weitergehende Links:
Columbia Journalism Review: Is the homepage dead?
ishp Consulting: Warum die Corporate Website unverzichtbar ist.
What’s Next?: The corporate site is dead.
One Market Media: Are corporate websites dead? No, but some may require life support.
CloudNine: Is the corporate blog dead? Naah!
MarketingProfs: Are You a Digital Sharecropper?

 

Bildquellen: ishp Consulting, Statista

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